Februar-Report: Weben, Webertreffen, Web-Buch

Nicht, dass ihr denkt, hier passiert nix… Der Februar war erschreckend schnell vorbei, dass es erst jetzt einen neuen Beitrag gibt.

Endlich habe ich die Monsterkette auf dem neuen XL-Barden abgewebt und aus 10,50 Meter Kette wurden 9 Meter Band in wechselnden Diagonalmustern. Dabei ist eine Menge Garn draufgegangen und es war tatsächlich das erste Mal, dass ich in einer Farbe eine komplette 100g-Rolle Leinen restlos (!) verbraucht hatte, da ich die Farbe auch als Schuss verwendete. Exakt mit den letzten Zentimetern wurde auch das Schiffchen leer.

Das lange Band bestätigte wieder meine Abneigung gegen lange Ketten. Ich liebe die Abwechslung und mich hatte da auch vor Weihnachten die Lust verlassen. Weil es ist so: Während ich an einem Band arbeite, spuken mir schon etliche neue Ideen im Kopf herum und ich muss mich beherrschen, nicht gleich was neues einzuziehen. Dennoch kamen dann das Band für Marled und ein paar Näharbeiten dazwischen. Ende Januar hab ich mich dann durchgebissen. In der fetten Rolle stecken insgesamt 3 Muster, die ich über eine längere Strecke gearbeitet habe. Ob ich sie in den Verkauf gebe oder die schön zusammenpassenden Stücke als Zierde für weitere Sofakissen für mich verwenden werde, muss ich noch überlegen.

Auch der kleine Barde ist durch das Abweben von Marleds Band frei geworden. Darauf kam dann ein Sulawesi-Band, das ich zum Webertreffen nach Essen mitgenommen hab.

Band mit 5 Mustern
5 Muster – ein Band. Die wandelbare Diagonale.

Das Webertreffen

Am 13. Februar kam dann der Termin, auf den ich mich in den vergangenen Wochen am meisten gefreut habe: Das Webertreffen der Brettchenwebergruppe im Unperfekthaus in Essen. Es war schön, Leute wieder zu treffen und neue Leute kennen zu lernen. Fotos habe ich leider keine gemacht, dafür aber Silvia Ungerechts, die einen schönen Report auf ihrem Blog gibt.

Auf dem Treffen war auch Claudia Wollny zu Gast, die ihr neuestes Buch „Der Lilienhain“ mit im Gepäck hatte. Ein Exemplar hatte mein Mann bereits im Vorfeld reserviert und ich habe es als mein Geburtstagsgeschenk abgeholt und von Claudia signieren lassen. Und ich habe es auch fast geschafft, bis zu meinem Geburtstag nicht reinzuschauen…

Mehr Fotos habe ich am Folgetag in der Baumwollfabrik in Ratingen gemacht. Dorthin hatten mich Silvia und Hilmar hin entführt zur Sonderausstellung „Macht der Mode“. Bei der Vorstellung der Baumwollfabrikation durfte noch fotografiert werden, bei den Kleidern leider nicht. Auch hier machte ich mir mit dem Ausstellungskatalog ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk.

Bücher
Mitbringsel vom Webertreffen in Essen

Sofakissen und Seidenband

Nach langer Zeit mal wieder ein kurzer Projekt-Statusbericht 🙂 Ich habe in der vergangenen Woche ein paar Sachen fertig gestellt bzw. mal flott genäht. Und auch wenn die beiden Dinge grundverschieden sind, werden sie jetzt trotzdem in einem Beitrag zusammengefasst.

Einmal ist Mitte der Woche endlich das Seiden-Testband mit neuer Seide von Marled vom Rahmen gehüpft. Habe ca. seit Anfang-Mitte Januar daran gewebt – mit zahlreichen Unterbrechungen. Breite ist ca. 1,5 cm bei 25 Brettchen insgesamt.

Marledband2_lab

Band mit Diagonal- und Köpermustern
Diagonale und Köper: Seidentest für Marled

Hierbei habe ich Diagonaltechnik und Köper verbunden und eigene kleine Muster für den Köperpart entworfen. Die Muster sind wegen ihrer einfachen grafischen Form vermutlich nicht einzigartig, aber mir kam auf die Schnelle nichts für 19 Musterbrettchen unter, so dass ich selbst zu Bleistift und Karopapier griff. Das Diagonalenmuster ist ein verschmälertes Muster aus Babettes Editor.
Die Seide habe ich von Marled zum Testen erhalten und mein Fazit: Sie lässt sich sehr gut verarbeiten, glänzt schön, hat einen tollen weichen Griff. Einziges Problem waren kleine Knötchen, bei denen der Hersteller einfach neuen Faden angeknotet hatte und von denen einer aufging. Aber an sich ließen sich diese gut und unsichtbar einweben. Und: es handelte sich um ein Pröbchen.
Das Köpermuster gibts dann demnächst auf meiner neuen Webseite.

Bereits vor einer Woche hatte mich meine Nichte in Beschlag genommen und meine Nähmaschine kennengelernt. Sowas freut mich natürlich sehr, wenn ich mit dem Nachwuchs im Bereich Handarbeit was machen kann. Neben einigen einfachen Stichübungen, bei denen sie einen Stoffstreifen mit Zierstichen zu einem Lesezeichen verwandelte, nähten wir gemeinsam noch ein paar Herzen und Vögelchen, die sie dann mit Füllwatte ausstopfte. Am Samstag sollte es dann ein ganzes Tildatäschchen werden. Meine Nichte half beim Schnitt, bügeln, zuschneiden und füllen, ich nähte die teils fummeligen Teile zusammen (dickes Bügelvlies war nicht vorhanden und so musste ich improvisieren…). Und am Ende verzierte sie noch alles mit Muschelknöpfen aus der Knopfkiste. Und da die Maschine schon da stand und etliche Stoffe rumlagen, nutzte ich die Gelegenheit, mal fix zwei Sofakissenbezüge zu nähen. Das hatte ich schon ewig vor, denn die alten Bezüge waren entweder zerschlissen oder es fehlten Knöpfe. Leider reichten sowohl Stoff als auch Reißverschlüsse nur für 2 Bezüge. Der Stoff ist aus einer alten Ikea-Restekiste-Sammlung.

Sofakissen_Jan16_lab

Jetzt frag ich mich nur, warum ich so lange mit der Näherei gewartet habe. Kissenbezüge sind auch trotz Reißverschluss ganz einfach zu nähen. Und dennoch schreckt mich der Zipper noch ab.

Es geht auch in bunt!

„Aber bunte Schnurbindungen kann man nicht endlos aufziehen…“ AAAAAARRRGGGGHHHHH!!!!!!!

DOCH DAS KANN MAN. IMMER. EGAL WIE BUNT.

So. die Großbuchstaben mussten mal sein. Weil: Diese saublöde Aussage geistert durch die Internetforen und -gruppen und wenn diese mir dann wieder begegnet, werde ich wütend und würde am liebsten herausfinden, wer diesen Unsinn in die Welt gesetzt hat und ihn oder sie… aufklären (ob mit oder ohne Anschreien, weiß ich nicht).

Wahrscheinlich war es jemand, der weder das Buch „Zauber des Brettchenwebens“ von Otfried Staudigel besitzt (und die Kapitel zu den Schnurbindungen kennt) noch jemand, der sich wirklich mal dem Endloseinzug gewidmet hat. Wahrscheinlich hat derjenige/diejenige beim ersten bunten Muster einen bombastischen Fehler reingebaut und daraus geschlussfolgert: Geht nicht. Aber: in dem Fall saß das Problem AM Webrahmen.

Ob nun offener Webrahmen oder Schraubzwingen zum aufketten: Ein Endloseinzug ist zwar leicht nachzuvollziehen, aber braucht wie vieles in Handarbeit und Handwerk Routine in den Fingern. Als meinen ersten Endloseinzug hatte ich damals was zweifarbiges gewählt, weil ich im Anschluss nämlich Doubleface und Köper lernen wollte (und auch gelernt habe!). Ich habe für diesen ersten Aufzug fast so lange gebraucht wie für das Einzelbeziehen der Brettchen. Dabei noch beide Grundfehler gemacht: einmal in einer Runde 2 Brettchen fallengelassen und – vielleicht zum Ausgleich – bei einer anderen Runde vergessen, ein Brettchen fallen zu lassen.

Und sowas soll besser sein? Was sofort für den Endloseinzug sprach, war der fehlende Fadensalat der Kette, der beim Einzelbezug selbst bei allergrößter Sorgfalt mal auftauchte. Und den Fadensalat konnte ich am allerwenigsten leiden und so hatte für mich der Endloseinzug gewonnen. 2 Wochen nach meinem Erstversuch hatte ich die erste Kette abgewebt und wollte ein buntes Muster einziehen. Dank Staudigels Buch, das ich mir in der Zwischenzeit geleistet hatte, war mir klar, dass ich entsprechend umknoten musste für Farbwechsel. Ich wählte was mit drei Farben. Und zwar in einem Brettchen vorkommend. Und entdeckte dabei den dritten Grundfehler, der nur bei mindestens dreifarbigem Bezug eines Brettchens vorkommen kann: Ich vergaß die Klapp-Regel. Und zwar sah ich in meiner Patrone nur nach den Farben, aber nicht nach der Brettchenstellung, als ich die Farben neu anknotete. Und die muss beim Einzug beachtet werden wenn die Farben in bestimmter Weise verteilt sind. Wann dies zu beachten gilt, habe ich in der „Klapp-Regel“ zusammengefasst. Nicht klappbar sind Farbverteilungen 1-1-2-3 oder 1-1-3-2 oder 1-2-3-4. Daher muss bereits beim Einzug geschaut werden, ob das Brett S oder Z-Stelltung (bzw. -bezug) hat. Klappt man nämlich bei einen 1-1-2-3-Bezug, ändert sich der Bezug auf 1-1-3-2. Und klappt man einen 1-2-3-4-Bezug, wird daraus 4-3-2-1.
Trotz dreifarbigem Bezug klappbar ist nur die Farbverteilung 1-2-1-3.*

Tja, den Fehler merkte ich natürlich, nachdem ich angewebt hatte. Und ich saß natürlich auf einem Markt, fernab von Ruhe und Muße und wollte garantiert nicht den schönen Endloseinzug aufschneiden. Also machte ich das Beste daraus, frickelte ein anderes Muster zurecht und webte das Band ab (siehe Bild – oben sind die Zacken „zackiger“). Aber für mich war es kein Grund, daraus zu folgern, dass Schnurbindungen nicht in Endloseinzug gehen, sondern wusste, dass es an meiner Blödheit lag. Seitdem markiere ich, bevor ich loslege, jedes nicht-klappbare Brettchen in meiner Patrone.

Schaerfehler
Klapp-Regel nicht beachtet.

Also: nicht verzagen und falls mal ein bunter Endloseinzug in die Hose gegangen ist, nochmal probieren. Fehler hat jeder gemacht und sie sind in dem Fall dazu da, um zu lernen.

* Mit Ziffern statt Farben bleibt die Erklärung allgemeingültiger. Statt Ziffern könnt ihr auch im Kopf gerne Farben einsetzen, z.B. die vom zu webenden Muster.

Das „Birka“-Muster

Eines der beliebtesten Muster zum Brettchenweben nach dem Widderhorn ist wohl das sogenannte „Birka“-Muster. Auf der Grundlage des Fundes B23 aus Birka – im Original broschiert – entwickelte „Thora Sharptooth“ bereits in den 1990er Jahren ein Muster in der „Kivrim“-Technik (oder 3-1-Technik), wonach auch die meisten Weberinnen und Weber „ihr“ Birka-Band weben:
http://www.cs.vassar.edu/~capriest/birkarcp.html
Dabei werden normalerweise zwei Farben im Musterteil verwendet, ein Musterfaden und drei Hintergrundfäden.

Was Thora allerdings nicht mitliefert, ist die Information, dass dieses Muster verzwirnend ist. Das bedeutet: Die Fäden einiger Brettchen verdrehen sich während des fortschreitenden Webens so sehr, dass diese Verdrillung aufgelöst werden muss.

Die einfachste Variante ist, Thoras Anleitung rückwärts zu befolgen UND die Brettchen in die entgegengesetzte Richtung zu drehen. Eine einfache Spiegelung. Da dieses Thema immer wieder auftaucht, habe ich dazu die Lösung in gtt notiert und die Schritte nebeneinander gestellt:
Birkamuster_umdrehen

Einige Leute empfehlen auch, Anglerwirbel zum Aufdröseln in die Kette einzubringen. Warum diese für mich keine Option sind, werde ich demnächst mal erörtern. Nur soviel: Wirbel sind überflüssig, denn die Wendestellen fallen praktisch nicht auf und wenn man die Borte aufnähen möchte, könnte man dort z.B. das Band aufschneiden.

Hier mal ein Bild von einem meiner Birka-Bänder nach „Rezept“:

Birka-Band
Birka-Band, Seide Nm11, gewebt 2006

Na, Wendestelle gefunden? Viele hatte ich für das Bild damals in den Knicken versteckt, aber einige sind noch zu sehen. Da ich inzwischen fast 10 Jahre Abstand sowohl zu dem Werkstück als auch zu dem Foto habe (das Band besitze ich nicht mehr), musste ich selbst suchen.

Eine Sammlung eleganter Wendestellen durch das Einsetzen eines völlig anderen Musters gab es mal in Babettes Editor, der leider nicht mehr exisitert. Einige der nachgewebten Motive sind durch Suche im Netz bestimmt zu finden. Wer aber einmal die Technik verstanden hat, kann vielleicht selbst eine Wendestelle entwerfen.

 

Das Original

Doch wie bereits erwähnt, handelt es sich bei dem Muster um ein „Rezept“, welches das broschierte Original nachahmt. Das Band Birka 23 enthält dieses sogenannte „Flechtbandmotiv“ (englisch: Latticework) nebst anderer Motive. Auch dieses hatte ich mal nachgewebt – hier zugegebenermaßen noch relativ dilettantisch (war meine zweite Broschur überhaupt), aber in den gleichen Farben wie das „Rezept“-Band.

Broschiertes Birka-Band
Birka 23, Seide auf Seide Nm11, gewebt 2004

Doch Birka hat die Flechtbandmotive nicht für sich gepachtet. Bei Webereien aus dem Mittelalter tauchen immer wieder verflochtene Bänder auf, mal so wie bei dem Birka-Rezept, mal in Abwandlungen. Einige Beispiele – auch zum nachweben – präsentiert Nancy Spies in ihrem Buch „Ecclesiastical Pomp and Aristocratic Circumstance“. Ihr Nachgewebtes gibts hier im Bild: http://www.weavershand.com/gallery8.html

Schöne Flechtbandmotive bzw. Knotenmuster finden sich auf der sogenannten Kasel von St. Vitalis aus dem 11. Jahrhundert. Auch eine Mitra aus Salzburg aus dem 12./13. Jahrhundert (heute im Metropolitan Museum in New York) hat Stellen mit Knotenmustern. Die Liste lässt sich mit ein wenig Lektüre bei Spies und anderen Quellen noch erweitern, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Vielleicht kriegt das mal einen Extra-Beitrag.

Varianten

Nicht nur von historischen Flechtbandmustern gibts Varianten – da verkreuzen sich oft mehrere Stränge, das Muster kriegt Ränder und wird vom Flächen- zum Knotenmuster etc.  – sondern auch das „Birka“-Rezept ist wandelbar. Vertauscht man dabei die Arbeitsschritte 2 und 4 (jeweils 2 Reihen), erhält man etwas, das wie „Panama“-Gewebe aussieht. Diese Variante hat Guntram verfeinert zu seinem „Shadow“-Weave: http://www.guntram.co.za/tabletweaving/gallery/gallery_threaded.htm#Birka

Hierbei zeigt sich, wieviel alleine der Einsatz einer weiteren Hintergrundfarbe (diagonal gegenüber vom Musterfaden eingezogen) am Erscheinungsbild des Bandes ändern kann. Diese kleine Besonderheit kann auch beim Originalrezept eingesetzt werden.

Shadow Weave
Shadow Weave nach Guntram, Leinen Nm10/2, gewebt 2004

Eine weitere Abwandlung, indem man dem Birka-Muster Ränder hinzufügt, gibts bei den Zöpfen von „The Loomy Bin“.

Zopfmuster
Zopfmuster von „The Loomy Bin“, Leinen NeL 16/2, gewebt 2011

Das Bild enthält übrigens auch eine Wendestelle 😉

Und nicht nur das zeigt die „The Loomy Bin“, sondern neben dem Birkarezept die Wandelbarkeit der 3-1-Muster.

 

Werde ich jetzt politisch?

Nein. Nicht hier auf dem Blog. Das ist nicht die richtige Plattform dafür und wird es nach diesem Beitrag auch nicht mehr sein.

Die aktuelle Debatte über Flüchtlinge und die erschreckenden Dinge in der Silvesternacht heizen gerade die sozialen Netzwerke an, wo ich auch mit meiner Meinung nicht hinterm Berg halte. Wer meine Äußerungen auf Facebook und sonstwo liest und sieht, muss mit ihnen leben. Und ich muss damit leben, dass unter unserer Meinung ggf. das Geschäft leidet.
Hier werde ich mich künftig bedeckt halten, denn es geht hier um Handarbeiten – nach der Musik für mich die beste Art, Leute zusammen zu bringen und vielleicht auch eine Art der Völkerverständigung.
Nur soviel sei euch allen ans Herz gelegt: Prüft eure Quellen. Das ist nicht nur wichtig in der wissenschaftlichen Recherche, z.B. zu historischen Textilien, sondern auch bei solch aktuellen Ereignissen. Und das gilt nicht nur für lange Zeitungsartikel, sondern auch für die flotten kleinen Bildsprüche, die massig in Facebook geteilt werden. Bittebitte teilt nicht irgendeinen Spruch, nur weil er „jetzt grade passt“, sondern schaut auch mal, wer das Teil in die Welt gesetzt hat (eine Armlänge Abstand zum „Teilen“-Button). Könnt ihr euch auch mit anderen Dingen und Zielsetzungen des Urhebers identifizieren? Oder bekommt der Spruch auf einmal ein „Geschmäckle“?

Ich empfehle mal eine alte Schullektüre: https://de.wikipedia.org/wiki/Nathan_der_Weise Vielleicht nicht mehr zeitgemäß aber dennoch ein früher Appell an die Toleranz. Wie jemand als Person ist, hat erst einmal nichts mit Religion, Herkunft oder Rasse zu tun. Doch Fanatismus, Patriotismus und Rassismus reduzieren Leute und ihr Denken genau auf das und beschneiden uns der bunten Welt, die Gott (oder wahlweise: die Natur, die Götter, der Zufall, die Evolution etc…) für uns bereitet hat. Nicht jeder Mensch ist gut und keiner ist fehlerfrei. Aber Religion, Herkunft und Rasse sind keine Fehler. Sie sind da. Ich konnte mir meine braunen Augen so wenig aussuchen, wie andere ihre blauen.

So hier gehts zurück zu historischen Handarbeiten, anderswo sag ich mir „A*** hoch und Zähne auseinander“.

Frohes Neues!

Na? Gute Vorsätze fürs neue Jahr gemacht oder schon gleich wieder damit gebrochen?

Ich selbst habe mir keine Vorsätze gemacht. Oder zumindest nicht damit rausposaunt, was ich alles Tolles machen mag. Doch keine Vorsätze bedeutet ja nicht, dass ich nicht doch einiges vorhabe in diesem Jahr.

Stolz bin ich bereits darauf, dass ich es in den vergangenen Monaten gepackt habe, halbwegs regelmäßig hier was in den Blog zu schreiben. Und da es nun auch ein paar Inhalte gibt, will ich das Ding auch mehr publik machen und schließlich mit meiner Webseite www.wirweben.de verknüpfen, die derzeit in der Überarbeitung steckt (sieht man noch nicht…).

Das führt zum Nächsten: Sobald das Wetter wieder sein Schmuddelgrau abgelegt hat, gehts weiter mit dem Fotografieren für die Webseite und dem Überarbeiten einiger Archivbilder. Ein paar Fotos habe ich auch schon hier in den Blog gestellt. Dann noch ein paar Texte überarbeiten und sobald ein Kamerastativ den Weg ins Haus gefunden hat, mag ich auch ein paar Videos versuchen.

Mit dem Jahreswechsel rückt auch die Internationale Reenactmentmesse (IRM) in der Villa Borg wieder näher und da sollen auch noch einige Besonderheiten fertig werden. Was das ist, stelle ich so nach und nach vor.

Und auch die Tipps zum Brettchenweben werden ergänzt: Freut euch auf mehrere Ratschläge zur Farbwahl, Notfallmaßnahmen bei Webunfällen oder Materialtipps.

Und natürlich gibts auch Updates, was mir grad so handwerksmäßig durch die Finger geht.

Weihnachtsruhe oder Adventsstress?

Weder noch in diesem Jahr. Dennoch war es hier in den vergangenen Wochen etwas ruhiger. Das lag zum Einen daran, dass ich am Entwurf eines längeren Textes für weitere „Tipps zum Brettchenweben“ arbeite und dann auch so manche Stunde am Webrahmen oder beim Backen und Weihnachtskochen in der Küche verbrachte. Auch die Nähmaschine wurde wieder ausgepackt.

Ganz neu bespielt habe ich das neueste Webrahmen-Modell aus der Barden-Werkstatt meines Mannes (www.brettchenweber-shop.de). Der neue Barde XL ist etwas höher und somit auch bequemer vom Stuhl aus zu weben. Und er fasst über 10 Meter Kette! Für mich als bekennende Liebhaberin kurzer Ketten („lieber kurz und kompliziert als lang und langweilig“) eigentlich eine eher unwichtige Neuerung, aber die wachsende Größe brachte dies nunmal mit sich. Damit wir aber unseren Kunden sagen können, wie lang die Bänder sind, die sie darauf weben können, hab ich das Teil voll gemacht – und zwar bis zum Anschlag der verlängerten Spannschiene. Rund 10,50m Leinenkette werden zu Diagonalmustern verwebt. Die kann ich wenigstens zwischendrin verändern und dann wirds nicht so langweilig. Ich bin gespannt, wie lange das Band sein wird, das letztlich rauskommt. Denn nicht vergessen: Die Kette verkürzt sich durchs Weben und durch die Brettchen und Knoten bleibt immer ein kleiner Rest.

großer Webrahmen
XL-Barde mit Megakette

Noch webe ich ein Muster aus „Tablet Weaving“ von Snow, das aber auch in „Applesies und Fox Noses“ von Karisto/Pasanen drin ist. Aber nach inzwischen drei Metern wirds Zeit für Variationen. Die mag ich an den ruhigen Weihnachtstagen durchspielen und somit Platz schaffen für die nächste (Kurz-)kette.

Der Winter kommt

Ich habe genäht! Jawoll. Schließlich steht auf meiner Winter-Liste, dass mein Stoffberg schrumpfen muss und das habe ich nun auch in die Tat umgesetzt.

Nachdem kürzlich für die schnelle Barde-Tasche 1.0 (leider hab ich vergessen, die zu fotografieren – mehr dazu später) schon die Nähmaschine aus der Staubecke musste, gabs fürs Erste ein simples modernes Taschenprojekt.

Zu meinen Stoffbergen zählt auch eine Kiste ausgemusterter Jeanshosen. Eine davon verwandelte sich nach der Youtube-Anleitung von ChezNU-Family in eine hübsche größere Einkaufstasche (klar ist das eine größere Tasche – war ja auch meine Hose und nicht die eines Supermodels…). Innen ist sie gefüttert mit den noch guten Teilen eines zerschlissenen, aber schönen Sofaüberwurfs aus dünner Baumwolle.

Jeanstasche

Eigentlich sind solche wiederverwerteten Jeanshosen für mich immer ein Grenzfall zwischen altbackenem Aus-Alt-Mach-Neu und einer Fundgrube ausgefallener Ideen. Die gute alte Jeanstasche ist dabei ein scheinbar zeitloser Klassiker, der bereits im vergangenen Jahrhundert bekannt war. Leider ist dieser Klassiker oft auch lieblos gemacht nach der „Beine ab und unten zugenäht“-Methode. Und: Eine Jeanshosen-Tasche sieht halt auch immer nach Jeanshose aus, vor allem wenn auch die klassische Blue Jeans verwendet wird. Die vielen Taschen sind zwar praktisch, aber solls auch ausgehtauglich bzw. einkaufstauglich sein, brauchts meiner Meinung nach etwas Pfiff in der Umgestaltung und vor allem Sorgfalt. Auf der Suche nach einem solchen Modell bin ich auf das o.g. Video gestoßen und noch vielen anderen Ideen, bei denen auch andere Teile der Hose genutzt werden.
Damit der Jeans einen nicht anspringt, habe ich mich für eine schwarze Ex-Jeanshose entschieden. Die Blue Jeans kommen irgendwann mal dran, aber da ich keinen Taschenladen eröffnen mag, muss ich mir da noch was einfallen lassen.

Doch auch das Handnähen kommt nicht zu kurz. Im Schrank dümpelte tatsächlich noch ein Näh-UVO rum. Eine Thorsberghose für meinen Holden. Eigentlich fehlte nur noch der Hosenbund. Diesen anzupassen war mit Näh-Abstand von gut einem Jahr viel leichter als gedacht. Aber noch werden wohl ein paar Abende an die Fertigstellung gehen, denn neben Hosenbund und Schlaufen und Säumen müssen noch sämtliche Nähte versäubert werden. Von Hand.

Achso ja… und natürlich die Barde-Tasche. Ja, richtig gehört: nicht Bade-, sondern Barde-Tasche. Für meine Freundin aus Schweden und ihren „Großen Barden“, also einen großen Webrahmen aus der Werkstatt meines Mannes habe ich eine Transporttasche genäht. Der erste Versuch wurde schon ganz nett, aber ist noch weit weg von Perfektion. Es müssen einige lange, etwas mehr kürzere und natürlich alle winzigen Kleinteile gut verstaut werden. Die erste Version war noch etwas zu groß geraten und die kürzeren Teile knubbelten sich alle am Boden. Die ganzen Schrauben waren nur in einem Beutelchen verstaut. Wahrscheinlich muss ich mehrere Fächer anlegen, um alles gut unterzubringen und damit das ganze nicht aussieht wie ein unförmiger Nikolaussack, ist entweder sehr starker Stoff oder eine Verstärkung/Wattierung notwendig. Mal schauen, ob das auch noch auf meine Winter-Liste kommt.

Projektvorschau oder: Das mach ich im Winter…

Nachdem ich jetzt Brettchen befreit habe, bin ich bis auf eine längere Auftragssache und zwei Sprangsachen soweit mit den Muss-Sachen durch.

Und natürlich geistern bei mir im Hinterkopf schon diverse handwerkliche Dinge, die ich schon immer machen wollte. Die Will-ich-machen-Liste ist eher schon eine epische Schriftrolle, aber ich hoffe, einiges davon auf eine Will-ich-bald-machen-Liste rüber zu schieben und durchzuziehen.

Beim Brettchenweben wird es Zeit für ein Video für den ganz bunten Endloseinzug. Das ist für mich etwas völlig Neues, aber da einige mit einer reinen Fotoanleitung nicht klar kommen, wohl notwendig. Und es hat auch missionarische Gründe: Noch immer hält sich das Gerücht, man könne nur ein- und zweifarbige Einzüge endlos einziehen, aber keine Schnurbindungen. Totaler Blödsinn. Youtube-Anleitungen zeigen aber nur den Einzug für Broschieren (einfarbig) oder den simplen zweifarbigen Einzug. Also… noch ein Stativ besorgen, große Speicherkarte rein in die Kamera und dann probiere ich das mal.

Im Sprang gehts rund, und zwar wortwörtlich. Nach ein paar Jahren muss ich mal wieder Rundsprang machen und mich in der Technik festigen. Mal schauen, ob ich einen Loopschal sprangen kann. Und wenn das klappt, gehen auch die Spranghosen, mein wahrscheinlich darauf folgendes Projekt.

Und nicht zuletzt, weil bereits begonnen, wird meine Webseite neu an den Start gehen. Derzeit aktualisiere ich Inhalte der alten Seite, baue um und miste aus. Der größte Teil, nämlich Fotogalerien, v.a. von meinen jüngsten Arbeiten und das Versehen aller Bilder mit Wasserzeichen steht noch aus.

Fürs Reenactment-Hobby habe ich mir nichts festes vorgenommen außer: Der Stoffberg muss schrumpfen. Zu was der zusammenschrumpft, bleibt abzuwarten. Aber Nähen ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung.