Eine altpreußische Offiziersschärpe entsteht II

Nach längerer Fertigungszeit als erwartet konnte die Schärpe endlich abgekettet werden. Bevor ich aber endgültig die Fäden durchtrennte, wurde die Mitte der Schärpe versäubert, indem ich sämtliche Fäden vernähte und noch einige zu groß geratene Löcher fester zog. Diese großen Löcher waren besonders in den Seidenstreifen entstanden und rührten wohl vorwiegend daher, dass die weiche dünne Seide und das störrische und stärkere Japansilber nicht ganz optimal zusammen passten.


Kurz vor dem Abketten – die beiden Spranghälften „treffen“ sich

Bereits während der Fertigung wurde mir klar, dass ein dünnerer Silberfaden besser gewesen wäre – einmal wäre damit die Originalbreite der Schärpe besser erreicht worden, des weiteren hätte das Ganze ein ausgeglicheneres und dichteres Sprangbild ergeben (Bild von den Maschen, siehe vorheriger Post). Nun war aber auch nichts mehr daran zu machen. Manches lernt man halt durchs Tun.

Beim Abtrennen behielt ich zwei der Sicherungsstäbe im Geflecht zurück, über die ich dann die aufgeschnittenen Fäden knotete. Gearbeitet wurde von innen nach außen und knapp vor der Trennung der letzten Fäden wurden noch Haltefäden über die Sicherungsstäbe geknotet, damit die Kette nicht vor dem letzten Knoten herunter springen konnte. Im Fall von Sprang, der sich dann sofort auflösen kann, wäre so etwas nämlich verheerend gewesen.


Abgekettet

Schließlich war die Kette unten und rollte sich dann auch erwartungsgemäß durch den Drall der Verdrehungen wie eine Schillerlocke zusammen. Auch hier kamen weitere Erkenntnisse hinzu: während sich das schwere und dicke Silber kaum dehnte, dehnte sich die „schwächere“ Komponente Seide umso mehr und ergab besonders in der Mittelregion unschöne große Maschen. Hier erkannte ich, warum die Originale silberdurchwirkte Seidenstreifen hatten. Das Silber versteifte und verstärkte die Seide vermutlich so sehr, dass der Dehnungseffekt bei beiden Streifenarten in etwa gleich war. Verstärkt wurde dieser Dehneffekt vermutlich auch noch durch den deutlichen Stärkenunterschied von Silber und Seide. Dennoch… die Optik der ausgebreiteten und verflachten Schärpe stimmte.


Die Streifen im Detail


Der Mittelteil – noch zu unbefriedigend


Das ganze Teil quer durchs Wohnzimmer

Ebenfalls während der Fertigung erreichten mich noch die zugehörigen Quasten für die Schärpe, die in einem letzten Arbeitsgang angebracht werden mussten.

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