Schnell, einfach, historisch?

…oder Gedanken zum Mittwoch.

Gerade webe ich (mal wieder) Snartemo II in Wolle. Ich hatte das Bändchen aufgezogen, weil ich für eine Veranstaltung was einfaches, aber dennoch historisches zum Vorzeigen wollte. Und ich brauche nach bzw. neben Snartemo V (in Flottiertechnik), Broschieren und feinem Doubleface ein Chill-Out-Band.

Die Fundlage beim Brettchenweben gibt nicht viel her, das sich mal eben schnell und ohne Zeit- oder Denkeinsatz herunterweben lässt. Sozusagen ein „Am-Wochenende-ist-Veranstaltung-ich-brauch-noch-schnell-was“-Band. Dies und vielleicht auch, weil diese Bänder eher schlicht sind, ist bei vielen noch der erste Ausweg eine schicke, bunte, schnelle aber leider auch unpassende Schnurbindungs-Borte.  Dabei gibts auch einige schmale und bunte Bänder, die trotzdem historisch sind. Einige von ihnen findet man sogar zum Nacharbeiten im Internet und noch mehr davon in der Literatur.

Das schmale Snartemo-Band beschreibt Shelag Lewins auf ihrer Website: http://www.shelaghlewins.com/tablet_weaving/Snartemo_II/snartemo_II.htm

Ein weiteres Band aus Oseberg führt Silvia Ungerechts auf ihrer Seite auf: http://aisling.biz/index.php/anleitungen/139-wikinger

 

Viele Bänder lohnen aber einfach keine Anleitung, weil sie sozusagen zu einfach sind, denn: Bei der Vielzahl der gefundenen simplen Brettchengewebe handelt es sich um Gewebeanfangskanten, entweder einfarbig, oft im gleichen Farbton gehalten wie das Gewebe oder in Längsstreifen. Die Brettchenzahl reicht von wenig Brettchen (4) bis hin zu über 100, wie an einigen Prachtmänteln gefunden. Die meisten dieser Bänder sind aus Wolle.

Karl Schlabow hat sich in seinem Buch Textilien der Eisenzeit auch den Brettchengeweben aus Norddeutschland gewidmet. Darunter sind ebenfalls einfache Gewebe zu finden, wie der Gürtel aus dem Vaalermoor, die Gewebe aus Dätgen.

Ich werde Ausschau nach weiteren Mustern im Netz und auch mal ein paar Bücher durchsehen.

Aber grundsätzlich gilt: Wer schnell was benötigt, muss mit simpel leben. Also keine Broschur, kein Köper, keinen Flottierung oder sonstige komplexe Sachen. Für diese Techniken gibt’s keine Abkürzungen in der Arbeitszeit. Und: nur weil ein Band nun irgendeiner Epoche zugeordnet werden kann, sollte es aber auch innerhalb dieser Epoche verwendet werden. Snartemo II aus dem 5./6. Jahrhundert passt einfach nicht ins Spätmittelalter.