Bamberg zum Zweiten

Hier mal ein Bild von der gerade in Arbeit befindlichen Borte.

Dieses Muster – eine Nachbildung einer Borte aus Bamberg, 12. Jahrhundert – webe ich bereits zum zweiten Mal, nun mit einer Broschur Seide auf Seide. Das Material lässt sich wunderbar verarbeiten und die Farben harmonieren prachtvoll.

Leider musste die Arbeit wegen Weihnachtsvorbereitungen und vieler auswärtiger Termine in den letzten Wochen zu oft ruhen und ich freue mich jetzt, in den Weihnachtsferien ausgiebig weben zu können.

Meinen großen Webrahmen habe ich auch wieder aufgerichtet, u.a. schon deswegen, weil er meinen Schrank mit den Noten blockierte. Das ging ja wohl mal gar nicht, wenn man doch vor dem Fest noch ein paar Weihnachtslieder trällern möchte 😉 Ob ich demnächst was aufbäumen werde, weiß ich noch nicht. Wenn, dann wirds einfach mal ein Schal.

Eine altpreußische Offiziersschärpe entsteht III – Die Quasten

Nachdem die Schärpe selbst fertig war, mussten die Quasten angebracht werden, bei denen es sich übrigens um originale alte Quastenschärpen handelte. Diese stammten laut Auftraggeber aber nicht von einer Sprangschärpe, sondern von einer kaiserzeitlichen, d.h. gewebten Schärpe.

Bei näherer Betrachtung der Stücke fiel dies auch direkt auf, denn in den Quasten war praktisch kein Platz, um die Endstücke meiner Schärpe unterzubringen. Die gewebten Schärpen waren um Einiges schmaler, zudem ist ein Gewebe starrer als ein Geflecht, was es auch möglich machte, die Enden ziemlich knapp mit der Schärpe zu vernähen.
Der Sprang musste tiefer in die Quaste hinein, um gut zu halten und da waren etliche Fransen vom Abketten, die Platz finden mussten.


Eine prall gefüllte Quaste

Es half also nichts – die alten Teile mussten „ausgenommen“ werden. Diese Schändung solch alter Teile – auch wenn mir versichert wurde, dass es die noch sehr häufig gebe – fiel mir zunächst sehr schwer.
Ungefähr ein Drittel der sehr fest gepackten Füllung entfernte ich mit der Pinzette und musste auch gelegentlich zur Schere greifen, um noch einen Haltefaden zu trennen.


Die Quaste und die Füllung nach dem Auswaiden

Schließlich passte alles und ich konnte die Schärpenenden einnähen. Dabei legte ich diese Enden schneckenförmig übereinander, denn bloßes Kräuseln hätte noch mehr Raum verlangt und sah auch unschön aus. Mit feiner weißer Seide nähte ich möglichst unsichtbar die Enden ein und verengte schließlich den oberen Quastenteil wieder ein wenig, um die Form der Quaste zurück zu gewinnen.


Eine angenähte Quaste

Einen halben Sonntag später hatte ich dann endlich das fertige Teil in Händen und war nun trotz einiger Defizite erst einmal froh, dieses große Projekt geschafft zu haben.


Die fertige Schärpe

Mir fehlte hier vor Ort bedauerlicherweise die passende Uniform und drapiert über eine weibliche Figurine oder über meinen (nicht uniformierten) Mann, sah das Teil eher lächerlich aus, so dass ich diese Bilder mal weglasse…

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Eine altpreußische Offiziersschärpe entsteht II

Nach längerer Fertigungszeit als erwartet konnte die Schärpe endlich abgekettet werden. Bevor ich aber endgültig die Fäden durchtrennte, wurde die Mitte der Schärpe versäubert, indem ich sämtliche Fäden vernähte und noch einige zu groß geratene Löcher fester zog. Diese großen Löcher waren besonders in den Seidenstreifen entstanden und rührten wohl vorwiegend daher, dass die weiche dünne Seide und das störrische und stärkere Japansilber nicht ganz optimal zusammen passten.


Kurz vor dem Abketten – die beiden Spranghälften „treffen“ sich

Bereits während der Fertigung wurde mir klar, dass ein dünnerer Silberfaden besser gewesen wäre – einmal wäre damit die Originalbreite der Schärpe besser erreicht worden, des weiteren hätte das Ganze ein ausgeglicheneres und dichteres Sprangbild ergeben (Bild von den Maschen, siehe vorheriger Post). Nun war aber auch nichts mehr daran zu machen. Manches lernt man halt durchs Tun.

Beim Abtrennen behielt ich zwei der Sicherungsstäbe im Geflecht zurück, über die ich dann die aufgeschnittenen Fäden knotete. Gearbeitet wurde von innen nach außen und knapp vor der Trennung der letzten Fäden wurden noch Haltefäden über die Sicherungsstäbe geknotet, damit die Kette nicht vor dem letzten Knoten herunter springen konnte. Im Fall von Sprang, der sich dann sofort auflösen kann, wäre so etwas nämlich verheerend gewesen.


Abgekettet

Schließlich war die Kette unten und rollte sich dann auch erwartungsgemäß durch den Drall der Verdrehungen wie eine Schillerlocke zusammen. Auch hier kamen weitere Erkenntnisse hinzu: während sich das schwere und dicke Silber kaum dehnte, dehnte sich die „schwächere“ Komponente Seide umso mehr und ergab besonders in der Mittelregion unschöne große Maschen. Hier erkannte ich, warum die Originale silberdurchwirkte Seidenstreifen hatten. Das Silber versteifte und verstärkte die Seide vermutlich so sehr, dass der Dehnungseffekt bei beiden Streifenarten in etwa gleich war. Verstärkt wurde dieser Dehneffekt vermutlich auch noch durch den deutlichen Stärkenunterschied von Silber und Seide. Dennoch… die Optik der ausgebreiteten und verflachten Schärpe stimmte.


Die Streifen im Detail


Der Mittelteil – noch zu unbefriedigend


Das ganze Teil quer durchs Wohnzimmer

Ebenfalls während der Fertigung erreichten mich noch die zugehörigen Quasten für die Schärpe, die in einem letzten Arbeitsgang angebracht werden mussten.

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Eine altpreußische Offiziersschärpe entsteht I

Als mich im Mai eine Anfrage bezüglich der Anfertigung einer Offiziersschärpe in Sprangtechnik erreichte, zögerte ich zunächst, denn mit Sprangstücken von solchen Ausmaßen in der Länge hatte ich bisher noch keinerlei Erfahrung. Hinzu kam noch, dass in der Schärpe recht edle und damit teure Materialien verbaut werden sollten, nämlich Seiden- und Silberfaden.

Dennoch wagte ich es und begann im Sommer mit den Vorbereitungen für das Projekt. Dank der Hilfestellung meines Auftraggebers und einiger Foreninformationen wusste ich auch, wie die Schärpen aufgebaut werden und welche Kompromisse hinsichtlich der vorläufigen Materialwahl leider zu treffen waren.

Zeitgenössische Schärpen bestanden aus Silberlahn und mit Silber versponnener schwarzer Seide. Gerade letzteres ist praktisch unmöglich zu bekommen, und bei ersterem bin ich auf den Materialvorschlag eingegangen, statt des Lahns Japansilber zu verwenden. Zwar wäre es möglich gewesen, Silberlahn in einer adäquaten Stärke zu erhalten, aber die Mindestbestellmenge für das Silbergespinst war zu hoch und für mein Budget zu teuer. Schließlich kann man nicht davon ausgehen, in eine Massenproduktion von Handarbeiten unter Verwendung von Edelmetallgarnen einzusteigen.


Schappseide Nm8 und über 600m Japansilber

Im August hatte ich soweit alle Materialien beisammen, musste mich aber nach ein paar reinseidenen kurzen Probierstücken davon verabschieden, die weit über drei Meter lange Kette so wie meine sonstigen kurzkettigen Stücke zu verarbeiten.
Damit die Seide nicht verheddert und generell das Material geschont wurde, entschloss ich mich für einen großen Sprangrahmen für eine Endloskette. Zum Glück ist meine bessere Hälfte bestens vertraut mit Holzarbeiten und insbesondere Rahmen für textile Arbeiten und so stand nach einem Tag ein wunderbarer Sprangrahmen zur Verfügung.
Für das Sichern der Kette und die spezielle Arbeitsweise mit Endlossprang reichte der einfache Sicherungsfaden nicht aus. Also kamen noch Stäbe hinzu, die die Arbeit auf mehrere Reihen absicherten und zudem dazu dienen sollten, fertig gesprangte Stücke über die Rahmenholmen hinweg zu zur restlichen fertigen Kette zu schieben.


Sprangrahmen mit fertiger Kette

Dann ging es los. Das Bespannen des Rahmens verlief relativ problemlos, aber ich entschloss mich, die im Verhältnis zum Japansilber etwas dünnere Seide in der Fadenzahl zu erhöhen und 20 statt 15 Fadenpaare zu verwenden.
Die ersten Reihen waren aufgrund des empfindlichen Materials und auch der Tatsache, dass ich für die Mittelreihen immer eine Leiter erklimmen musste, eine zeitraubende Tortur. Das Japansilber ließ sich wider Erwarten sehr leicht versprangen, aber man musste aufpassen, dass das dünne Papierhäutchen beim Verdichten der Reihen nicht aufsprang. Die Seide hingegen war problemlos zu verdichten, dafür aber schwer zu versprangen, weil sich das leichte Material gerne untereinander verfing und Fehler provozierte, die es zu vermeiden galt.
Letzte Schwierigkeit war noch die Farbkombination: die Abwechslung des hellen Silbers mit der pechschwarzen Seide war anstrengend für die Augen und wegen der Schatten praktisch nur unter Tageslicht durchführbar – dies wurde mit den einkehrenden Herbsttagen und der Tatsache, dass ich tagsüber unterwegs bin , dann noch schwieriger.


Die spätere Mitte zu Arbeitsbeginn

Bei der Arbeit – noch im Stehen

Aber mit der Zeit gewöhnt man sich an alles und mit einem schönen Hörbuch im Hintergrund ging die Arbeit dann allmählich besser von der Hand – wenn auch nicht so schnell, wie im Vorfeld kalkuliert. Zudem wanderte die Sprangkette dann in Regionen auf dem Rahmen, in denen ich mich nicht mehr recken musste, sondern bequem auf meinem Klavierhocker Platz nehmen konnte zum Arbeiten.


Die Sicherungsstäbe


Ein Blick ins Geflecht

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