Projekt Tegle-Stulpen – Prolog

Nach viel hin und her habe ich mich in diesem Frühjahr endlich an die Tegle-Stulpen gewagt. Mit Webkanten an beiden Enden und gemustertem Sprang sind diese Stulpen schon etwas anspruchsvoller und vor allem zeitaufwendig.

Vor dem Arbeitsbeginn stand natürlich die Recherche. Ganz im Groben: Die sogenannten Tegle-Stulpen oder englisch Tegle Stockings wurden in Norwegen gefunden und werden auf das 5. Jh. nach Christus datiert. Als Sprangstücke wurden sie beide zugleich gearbeitet. Das Besondere sind die Webekanten, die sowohl an den Enden als auch in der Mitte des Sprangstücks gefertigt werden. So entstehen 2 Sprangstücke mit je 2 Webkanten. Zwar werden die Strümpfe in vielen Büchern zu historischer Handarbeit erwähnt, z.B. in Collingwoods Sprang oder Hoffmans „The Warp Weighted Loom“. Auch das norwegische Volkskundemuseum (https://digitaltmuseum.no) zeigt wunderbare Bilder und sogar eine Rekonstruktionszeichnung. Doch die Bücher und Bilder, auf die ich zugreifen konnte, waren nicht besonders aussagekräftig hinsichtlich Länge, Breite sowie Fadenzahl der Stücke.

Also habe ich mich einfach mal darangesetzt und ausprobiert. Und dabei habe ich viel gelernt.

Auf nach Kärnten

Das Keltentreffen in Frög – bisher immer zu weit weg und zeitlich für mich ungünstig gelegen. Aber in diesem Jahr sollte es endlich so weit sein. Zum 10. Keltentreffen im Juli wollten wir endlich auch mal dort dabei sein. Lange stand es auf der Kippe, ob es wirklich klappt. Statt eines gemütlichen Österreich-Urlaubs, den wir eigentlich mit dem Treffen verbinden wollten, hatte ich nur einige freie Tage für die Hin- und Rückreise ergattern können.

Aber es hat geklappt und trotz der langen Reise hat es sich vollends gelohnt. Wir hatten eine Fahrt durch eine beeindruckende Landschaft quer durch Österreich und ein wunderbares Treffen mit toller Orga und fantastischen Gästen. Wir haben sehr viele neue Leute kennengelernt und viele Leute endlich live getroffen. Allen voran die liebe Magali, mit der uns sonst nur enger Mail- und Facebook-Kontakt verbanden. Kurzum: ES WAR SUPER!

Keltentreffen Frög 2016
Mäuschen-Perspektive auf die Arena, neben der wir aufgebaut hatten

Wie schon in Rheinbrohl hatte ich mich entschieden, mich in Frög eher dem Sprang als dem Brettchenweben zu widmen. Dazu habe ich noch einige weitere Probestücke im Vorfeld angefertigt, um mehr präsentieren zu können. Überraschenderweise waren dann gar nicht so viele Brettchenweberinnen da (aber Brigitte war so fabelhaft, dass dies auch nicht notwendig war), dafür aber einige Italienerinnen, die sich ebenfalls mit Sprang beschäftigten. Leider kann ich kein Italienisch und so kamen Gespräche mit Händen, Füßen, Garn und Englischbrocken zustande.

Unser Stand
An unserem Stand – leider hielt hier kein Hering, weswegen wir auf einen Pavillon des Museums zurückgriffen

 

Modenschau
Die Modenschau in der Arena

Fazit: Nächstes Jahr gerne wieder mit mehr Urlaub drumrum und bis dahin werden hoffentlich ein paar Sätze Italienisch in meinem Hirn sein.
Und auch der Sprang bekommt hier mal mehr Raum. Schließlich sollen noch ein paar Haarnetze her.

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Lauresham zum Zweiten

Ich reiche nun mal ein paar Veranstaltungsberichte nach, damit ihr seht, warum der Blog im Moment etwas zu kurz kommt.

Bereits im Juni war ich wieder zu Gast beim Handwerkertag im Freilichtlabor Lauresham, um das Brettchenweben vorzuführen.

Blick aufs Hörigenhaus
Blick aufs Hörigenhaus durch den Regen – zum Glück waren es nur Schauer

Dieses Mal war ich – passend zum Handwerk – im Weberhaus untergebracht und noch schöner: meine bessere Hälfte war auch dabei, um mir etwas zur Hand zu gehen. Ein Wermutstropfen hatte das Wochenende dennoch: Leider mussten unsere „Mitbewohner“ des Weberhauses, Marled und Hans von Archäotechnik – textile Fläche, kurzfristig absagen, so dass wir alleine im Weberhaus waren. Leider bin ich nicht so bewandert im Weben am Gewichtwebstuhl, aber dennoch hatte ich mich mal an ein paar Reihen versucht. Und ich war froh, dass das geschulte Personal den Besuchern weiterhelfen konnte.

Beim Brettchenweben
Beim Brettchenweben – Austesten der beinernen Brettchen vor Ort

 

Am Gewichtwebstuhl
Am Gewichtwebstuhl – aber nur ein paar Schüsse lang

Natürlich musste an dem Wochenende auch was Passendes gewebt werden. Ich entschied mich für ein Muster aus dem 7. Jahrhundert: Eine Borte nach Fund aus Moos-Burgstall, Grab 8, die ich in der Arbeit von Ina Meissner „Untersuchungen an Goldtextilien des frühen Mittelalters“ entdeckt hatte. Bei dem Fund handelte es sich vermutlich um eine Vitta. Da ich meine „dicke“ Seide verwendet habe, ist das Band breiter als das Original.

Moos-Burgstall
Brettchengewebtes Band nach Fund aus Moos-Burgstall (7. Jh.). Seide/Goldlahn

Es war ein schönes Wochenende, bei dem ich aber froh war, dass wir ein Dach über dem Kopf hatten, weil die starken Regenfälle, die Anfang Juni übers Land zogen, noch nicht ganz vorbei waren. Trotz des wechselhaften Wetters kamen viele interessierte Besucher.

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Die Saison hat begonnen

Ja, im Moment werden es wohl wirklich nur monatliche Reports, die ich hier schaffe. Nach drei Wochenenden mit Terminverpflichtungen nebst einer Dienstreise habe ich nun etwas Luft, mal über meinen Saisonstart zu berichten.

Bereits Anfang April gings los mit einem Webkurs und Werkeltreff bei uns zuhause. Wegen der neuen Arbeit hatte ich den Webkurs nicht mehr groß beworben, aber er fand dennoch statt und die Teilnehmerinnen freuten sich über die intensive Betreuung.

Am Folgetag war dann direkt wieder das Haus voll zum ersten Rhein-Main-Werkeltreff seit einigen Jahren. Erwartungsgemäß habe ich mal wieder mehr geklönt als gewerkelt, aber ich konnte immerhin ein wenig rumspinnen auf meiner Anna sowie probespinnen an einem Michi.

Dann stand die IRM in der Villa Borg ins Haus, an der wir bereits zum 6. Mal teilnahmen. Meine Auftragsbroschur wurde rechtzeitig fertig und auf der Restkette hatte ich ein schönes hochmittelalterliches Muster ausprobiert. Beides konnte ich gebührend auf der Messe präsentieren. Leider hatte ich es nicht mehr geschafft, mehr Sprangstücke zu fertigen, so dass ich auf der Messe mehr mit Brettchen webte und v.a. eigentlich dieses Mal wenig handwerkte. Die Messe selbst war wieder wunderbar und es war super, die vielen Leute wieder zu treffen und auch neue Leute kennen zu lernen. Meine Einkäufe hielten sich allerdings in Grenzen. Lediglich ein Kochbuch, zwei hallstattzeitliche Schalen sowie ein Fingerhut aus Knochen kamen mit nach Hause. Zwar hatte ich geliebäugelt mit Brokatstoffen von Sartor, aber so wirklich was Passendes für mich war dann doch nicht dabei. Und: Noch nie waren wir so froh über unsere Entscheidung für einen Stand im Innenraum. Das Wetter schwankte zwischen Sonnenschein und Schneeschauer und es war arg kalt und windig.

Das Wochenende darauf ging es gleich weiter. Am 1. Mai stand ganz traditionell Niedaltdorf im Kalender, bei dem ich wieder mit den Kindern webte. Wegen anhaltender Regenschauer in der Vorwoche war es eine regelrechte Schlammschlacht auf dem Boden, aber just an dem Sonntag schlug das Wetter um und wir hatten tagsüber wunderbaren Sonnenschein.

Richtig warm wurde es dann in Rheinbrohl. Bei „Die Kelten kommen“, mischten wir in der Römerwelt kräftig mit am 7. und 8. Mai. Auch hier gab es ein Wiedersehen und Kennenlernen mit vielen tollen Menschen, super Verpflegung und allerbestes Wetter. Aber über Hitze wollte ich nicht klagen – allemal besser als Schnee- und Regenschauer. Da an sehr vielen Ständen brettchengewebt wurde, hatte ich mich einem neuen Sprangnetz gewidmet und auch endlich mal den Kunkelstab beim Spinnen ausprobiert. Leider wurde das mal wieder nicht abgelichtet, aber hier mal eines der seltenen Keltenbilder von mir.

Keltenfrau
Keltenfrau – ausruhend auf Rechteckmantel

Webkurs am 2. April

Am Samstag, 2. April, von 10 bis 17 Uhr  findet wieder ein Brettchenwebkurs für Anfänger in unseren Räumen in Bad Kreuznach statt.

Kursgebühr: 60 Euro, darin enthalten sind Arbeitsmaterialien (Brettchen, Garn) sowie das Anleitungsbuch.

Weitere Info und Anmeldung über kurse@silberkram.de oder über webmistress@wirweben.de

Neben Theorie über das Lesen einer Patrone gibts reichlich Praxis, bei der das erste Band mit vielen Mustern entsteht.

Webkurs - ein Band entsteht
Ein Band entsteht im Anfänger-Webkurs

Februar-Report: Weben, Webertreffen, Web-Buch

Nicht, dass ihr denkt, hier passiert nix… Der Februar war erschreckend schnell vorbei, dass es erst jetzt einen neuen Beitrag gibt.

Endlich habe ich die Monsterkette auf dem neuen XL-Barden abgewebt und aus 10,50 Meter Kette wurden 9 Meter Band in wechselnden Diagonalmustern. Dabei ist eine Menge Garn draufgegangen und es war tatsächlich das erste Mal, dass ich in einer Farbe eine komplette 100g-Rolle Leinen restlos (!) verbraucht hatte, da ich die Farbe auch als Schuss verwendete. Exakt mit den letzten Zentimetern wurde auch das Schiffchen leer.

Das lange Band bestätigte wieder meine Abneigung gegen lange Ketten. Ich liebe die Abwechslung und mich hatte da auch vor Weihnachten die Lust verlassen. Weil es ist so: Während ich an einem Band arbeite, spuken mir schon etliche neue Ideen im Kopf herum und ich muss mich beherrschen, nicht gleich was neues einzuziehen. Dennoch kamen dann das Band für Marled und ein paar Näharbeiten dazwischen. Ende Januar hab ich mich dann durchgebissen. In der fetten Rolle stecken insgesamt 3 Muster, die ich über eine längere Strecke gearbeitet habe. Ob ich sie in den Verkauf gebe oder die schön zusammenpassenden Stücke als Zierde für weitere Sofakissen für mich verwenden werde, muss ich noch überlegen.

Auch der kleine Barde ist durch das Abweben von Marleds Band frei geworden. Darauf kam dann ein Sulawesi-Band, das ich zum Webertreffen nach Essen mitgenommen hab.

Band mit 5 Mustern
5 Muster – ein Band. Die wandelbare Diagonale.

Das Webertreffen

Am 13. Februar kam dann der Termin, auf den ich mich in den vergangenen Wochen am meisten gefreut habe: Das Webertreffen der Brettchenwebergruppe im Unperfekthaus in Essen. Es war schön, Leute wieder zu treffen und neue Leute kennen zu lernen. Fotos habe ich leider keine gemacht, dafür aber Silvia Ungerechts, die einen schönen Report auf ihrem Blog gibt.

Auf dem Treffen war auch Claudia Wollny zu Gast, die ihr neuestes Buch „Der Lilienhain“ mit im Gepäck hatte. Ein Exemplar hatte mein Mann bereits im Vorfeld reserviert und ich habe es als mein Geburtstagsgeschenk abgeholt und von Claudia signieren lassen. Und ich habe es auch fast geschafft, bis zu meinem Geburtstag nicht reinzuschauen…

Mehr Fotos habe ich am Folgetag in der Baumwollfabrik in Ratingen gemacht. Dorthin hatten mich Silvia und Hilmar hin entführt zur Sonderausstellung „Macht der Mode“. Bei der Vorstellung der Baumwollfabrikation durfte noch fotografiert werden, bei den Kleidern leider nicht. Auch hier machte ich mir mit dem Ausstellungskatalog ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk.

Bücher
Mitbringsel vom Webertreffen in Essen

Sofakissen und Seidenband

Nach langer Zeit mal wieder ein kurzer Projekt-Statusbericht 🙂 Ich habe in der vergangenen Woche ein paar Sachen fertig gestellt bzw. mal flott genäht. Und auch wenn die beiden Dinge grundverschieden sind, werden sie jetzt trotzdem in einem Beitrag zusammengefasst.

Einmal ist Mitte der Woche endlich das Seiden-Testband mit neuer Seide von Marled vom Rahmen gehüpft. Habe ca. seit Anfang-Mitte Januar daran gewebt – mit zahlreichen Unterbrechungen. Breite ist ca. 1,5 cm bei 25 Brettchen insgesamt.

Marledband2_lab

Band mit Diagonal- und Köpermustern
Diagonale und Köper: Seidentest für Marled

Hierbei habe ich Diagonaltechnik und Köper verbunden und eigene kleine Muster für den Köperpart entworfen. Die Muster sind wegen ihrer einfachen grafischen Form vermutlich nicht einzigartig, aber mir kam auf die Schnelle nichts für 19 Musterbrettchen unter, so dass ich selbst zu Bleistift und Karopapier griff. Das Diagonalenmuster ist ein verschmälertes Muster aus Babettes Editor.
Die Seide habe ich von Marled zum Testen erhalten und mein Fazit: Sie lässt sich sehr gut verarbeiten, glänzt schön, hat einen tollen weichen Griff. Einziges Problem waren kleine Knötchen, bei denen der Hersteller einfach neuen Faden angeknotet hatte und von denen einer aufging. Aber an sich ließen sich diese gut und unsichtbar einweben. Und: es handelte sich um ein Pröbchen.
Das Köpermuster gibts dann demnächst auf meiner neuen Webseite.

Bereits vor einer Woche hatte mich meine Nichte in Beschlag genommen und meine Nähmaschine kennengelernt. Sowas freut mich natürlich sehr, wenn ich mit dem Nachwuchs im Bereich Handarbeit was machen kann. Neben einigen einfachen Stichübungen, bei denen sie einen Stoffstreifen mit Zierstichen zu einem Lesezeichen verwandelte, nähten wir gemeinsam noch ein paar Herzen und Vögelchen, die sie dann mit Füllwatte ausstopfte. Am Samstag sollte es dann ein ganzes Tildatäschchen werden. Meine Nichte half beim Schnitt, bügeln, zuschneiden und füllen, ich nähte die teils fummeligen Teile zusammen (dickes Bügelvlies war nicht vorhanden und so musste ich improvisieren…). Und am Ende verzierte sie noch alles mit Muschelknöpfen aus der Knopfkiste. Und da die Maschine schon da stand und etliche Stoffe rumlagen, nutzte ich die Gelegenheit, mal fix zwei Sofakissenbezüge zu nähen. Das hatte ich schon ewig vor, denn die alten Bezüge waren entweder zerschlissen oder es fehlten Knöpfe. Leider reichten sowohl Stoff als auch Reißverschlüsse nur für 2 Bezüge. Der Stoff ist aus einer alten Ikea-Restekiste-Sammlung.

Sofakissen_Jan16_lab

Jetzt frag ich mich nur, warum ich so lange mit der Näherei gewartet habe. Kissenbezüge sind auch trotz Reißverschluss ganz einfach zu nähen. Und dennoch schreckt mich der Zipper noch ab.

Es geht auch in bunt!

„Aber bunte Schnurbindungen kann man nicht endlos aufziehen…“ AAAAAARRRGGGGHHHHH!!!!!!!

DOCH DAS KANN MAN. IMMER. EGAL WIE BUNT.

So. die Großbuchstaben mussten mal sein. Weil: Diese saublöde Aussage geistert durch die Internetforen und -gruppen und wenn diese mir dann wieder begegnet, werde ich wütend und würde am liebsten herausfinden, wer diesen Unsinn in die Welt gesetzt hat und ihn oder sie… aufklären (ob mit oder ohne Anschreien, weiß ich nicht).

Wahrscheinlich war es jemand, der weder das Buch „Zauber des Brettchenwebens“ von Otfried Staudigel besitzt (und die Kapitel zu den Schnurbindungen kennt) noch jemand, der sich wirklich mal dem Endloseinzug gewidmet hat. Wahrscheinlich hat derjenige/diejenige beim ersten bunten Muster einen bombastischen Fehler reingebaut und daraus geschlussfolgert: Geht nicht. Aber: in dem Fall saß das Problem AM Webrahmen.

Ob nun offener Webrahmen oder Schraubzwingen zum aufketten: Ein Endloseinzug ist zwar leicht nachzuvollziehen, aber braucht wie vieles in Handarbeit und Handwerk Routine in den Fingern. Als meinen ersten Endloseinzug hatte ich damals was zweifarbiges gewählt, weil ich im Anschluss nämlich Doubleface und Köper lernen wollte (und auch gelernt habe!). Ich habe für diesen ersten Aufzug fast so lange gebraucht wie für das Einzelbeziehen der Brettchen. Dabei noch beide Grundfehler gemacht: einmal in einer Runde 2 Brettchen fallengelassen und – vielleicht zum Ausgleich – bei einer anderen Runde vergessen, ein Brettchen fallen zu lassen.

Und sowas soll besser sein? Was sofort für den Endloseinzug sprach, war der fehlende Fadensalat der Kette, der beim Einzelbezug selbst bei allergrößter Sorgfalt mal auftauchte. Und den Fadensalat konnte ich am allerwenigsten leiden und so hatte für mich der Endloseinzug gewonnen. 2 Wochen nach meinem Erstversuch hatte ich die erste Kette abgewebt und wollte ein buntes Muster einziehen. Dank Staudigels Buch, das ich mir in der Zwischenzeit geleistet hatte, war mir klar, dass ich entsprechend umknoten musste für Farbwechsel. Ich wählte was mit drei Farben. Und zwar in einem Brettchen vorkommend. Und entdeckte dabei den dritten Grundfehler, der nur bei mindestens dreifarbigem Bezug eines Brettchens vorkommen kann: Ich vergaß die Klapp-Regel. Und zwar sah ich in meiner Patrone nur nach den Farben, aber nicht nach der Brettchenstellung, als ich die Farben neu anknotete. Und die muss beim Einzug beachtet werden wenn die Farben in bestimmter Weise verteilt sind. Wann dies zu beachten gilt, habe ich in der „Klapp-Regel“ zusammengefasst. Nicht klappbar sind Farbverteilungen 1-1-2-3 oder 1-1-3-2 oder 1-2-3-4. Daher muss bereits beim Einzug geschaut werden, ob das Brett S oder Z-Stelltung (bzw. -bezug) hat. Klappt man nämlich bei einen 1-1-2-3-Bezug, ändert sich der Bezug auf 1-1-3-2. Und klappt man einen 1-2-3-4-Bezug, wird daraus 4-3-2-1.
Trotz dreifarbigem Bezug klappbar ist nur die Farbverteilung 1-2-1-3.*

Tja, den Fehler merkte ich natürlich, nachdem ich angewebt hatte. Und ich saß natürlich auf einem Markt, fernab von Ruhe und Muße und wollte garantiert nicht den schönen Endloseinzug aufschneiden. Also machte ich das Beste daraus, frickelte ein anderes Muster zurecht und webte das Band ab (siehe Bild – oben sind die Zacken „zackiger“). Aber für mich war es kein Grund, daraus zu folgern, dass Schnurbindungen nicht in Endloseinzug gehen, sondern wusste, dass es an meiner Blödheit lag. Seitdem markiere ich, bevor ich loslege, jedes nicht-klappbare Brettchen in meiner Patrone.

Schaerfehler
Klapp-Regel nicht beachtet.

Also: nicht verzagen und falls mal ein bunter Endloseinzug in die Hose gegangen ist, nochmal probieren. Fehler hat jeder gemacht und sie sind in dem Fall dazu da, um zu lernen.

* Mit Ziffern statt Farben bleibt die Erklärung allgemeingültiger. Statt Ziffern könnt ihr auch im Kopf gerne Farben einsetzen, z.B. die vom zu webenden Muster.

Das „Birka“-Muster

Eines der beliebtesten Muster zum Brettchenweben nach dem Widderhorn ist wohl das sogenannte „Birka“-Muster. Auf der Grundlage des Fundes B23 aus Birka – im Original broschiert – entwickelte „Thora Sharptooth“ bereits in den 1990er Jahren ein Muster in der „Kivrim“-Technik (oder 3-1-Technik), wonach auch die meisten Weberinnen und Weber „ihr“ Birka-Band weben:
http://www.cs.vassar.edu/~capriest/birkarcp.html
Dabei werden normalerweise zwei Farben im Musterteil verwendet, ein Musterfaden und drei Hintergrundfäden.

Was Thora allerdings nicht mitliefert, ist die Information, dass dieses Muster verzwirnend ist. Das bedeutet: Die Fäden einiger Brettchen verdrehen sich während des fortschreitenden Webens so sehr, dass diese Verdrillung aufgelöst werden muss.

Die einfachste Variante ist, Thoras Anleitung rückwärts zu befolgen UND die Brettchen in die entgegengesetzte Richtung zu drehen. Eine einfache Spiegelung. Da dieses Thema immer wieder auftaucht, habe ich dazu die Lösung in gtt notiert und die Schritte nebeneinander gestellt:
Birkamuster_umdrehen

Einige Leute empfehlen auch, Anglerwirbel zum Aufdröseln in die Kette einzubringen. Warum diese für mich keine Option sind, werde ich demnächst mal erörtern. Nur soviel: Wirbel sind überflüssig, denn die Wendestellen fallen praktisch nicht auf und wenn man die Borte aufnähen möchte, könnte man dort z.B. das Band aufschneiden.

Hier mal ein Bild von einem meiner Birka-Bänder nach „Rezept“:

Birka-Band
Birka-Band, Seide Nm11, gewebt 2006

Na, Wendestelle gefunden? Viele hatte ich für das Bild damals in den Knicken versteckt, aber einige sind noch zu sehen. Da ich inzwischen fast 10 Jahre Abstand sowohl zu dem Werkstück als auch zu dem Foto habe (das Band besitze ich nicht mehr), musste ich selbst suchen.

Eine Sammlung eleganter Wendestellen durch das Einsetzen eines völlig anderen Musters gab es mal in Babettes Editor, der leider nicht mehr exisitert. Einige der nachgewebten Motive sind durch Suche im Netz bestimmt zu finden. Wer aber einmal die Technik verstanden hat, kann vielleicht selbst eine Wendestelle entwerfen.

 

Das Original

Doch wie bereits erwähnt, handelt es sich bei dem Muster um ein „Rezept“, welches das broschierte Original nachahmt. Das Band Birka 23 enthält dieses sogenannte „Flechtbandmotiv“ (englisch: Latticework) nebst anderer Motive. Auch dieses hatte ich mal nachgewebt – hier zugegebenermaßen noch relativ dilettantisch (war meine zweite Broschur überhaupt), aber in den gleichen Farben wie das „Rezept“-Band.

Broschiertes Birka-Band
Birka 23, Seide auf Seide Nm11, gewebt 2004

Doch Birka hat die Flechtbandmotive nicht für sich gepachtet. Bei Webereien aus dem Mittelalter tauchen immer wieder verflochtene Bänder auf, mal so wie bei dem Birka-Rezept, mal in Abwandlungen. Einige Beispiele – auch zum nachweben – präsentiert Nancy Spies in ihrem Buch „Ecclesiastical Pomp and Aristocratic Circumstance“. Ihr Nachgewebtes gibts hier im Bild: http://www.weavershand.com/gallery8.html

Schöne Flechtbandmotive bzw. Knotenmuster finden sich auf der sogenannten Kasel von St. Vitalis aus dem 11. Jahrhundert. Auch eine Mitra aus Salzburg aus dem 12./13. Jahrhundert (heute im Metropolitan Museum in New York) hat Stellen mit Knotenmustern. Die Liste lässt sich mit ein wenig Lektüre bei Spies und anderen Quellen noch erweitern, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Vielleicht kriegt das mal einen Extra-Beitrag.

Varianten

Nicht nur von historischen Flechtbandmustern gibts Varianten – da verkreuzen sich oft mehrere Stränge, das Muster kriegt Ränder und wird vom Flächen- zum Knotenmuster etc.  – sondern auch das „Birka“-Rezept ist wandelbar. Vertauscht man dabei die Arbeitsschritte 2 und 4 (jeweils 2 Reihen), erhält man etwas, das wie „Panama“-Gewebe aussieht. Diese Variante hat Guntram verfeinert zu seinem „Shadow“-Weave: http://www.guntram.co.za/tabletweaving/gallery/gallery_threaded.htm#Birka

Hierbei zeigt sich, wieviel alleine der Einsatz einer weiteren Hintergrundfarbe (diagonal gegenüber vom Musterfaden eingezogen) am Erscheinungsbild des Bandes ändern kann. Diese kleine Besonderheit kann auch beim Originalrezept eingesetzt werden.

Shadow Weave
Shadow Weave nach Guntram, Leinen Nm10/2, gewebt 2004

Eine weitere Abwandlung, indem man dem Birka-Muster Ränder hinzufügt, gibts bei den Zöpfen von „The Loomy Bin“.

Zopfmuster
Zopfmuster von „The Loomy Bin“, Leinen NeL 16/2, gewebt 2011

Das Bild enthält übrigens auch eine Wendestelle 😉

Und nicht nur das zeigt die „The Loomy Bin“, sondern neben dem Birkarezept die Wandelbarkeit der 3-1-Muster.

 

Weihnachtsruhe oder Adventsstress?

Weder noch in diesem Jahr. Dennoch war es hier in den vergangenen Wochen etwas ruhiger. Das lag zum Einen daran, dass ich am Entwurf eines längeren Textes für weitere „Tipps zum Brettchenweben“ arbeite und dann auch so manche Stunde am Webrahmen oder beim Backen und Weihnachtskochen in der Küche verbrachte. Auch die Nähmaschine wurde wieder ausgepackt.

Ganz neu bespielt habe ich das neueste Webrahmen-Modell aus der Barden-Werkstatt meines Mannes (www.brettchenweber-shop.de). Der neue Barde XL ist etwas höher und somit auch bequemer vom Stuhl aus zu weben. Und er fasst über 10 Meter Kette! Für mich als bekennende Liebhaberin kurzer Ketten („lieber kurz und kompliziert als lang und langweilig“) eigentlich eine eher unwichtige Neuerung, aber die wachsende Größe brachte dies nunmal mit sich. Damit wir aber unseren Kunden sagen können, wie lang die Bänder sind, die sie darauf weben können, hab ich das Teil voll gemacht – und zwar bis zum Anschlag der verlängerten Spannschiene. Rund 10,50m Leinenkette werden zu Diagonalmustern verwebt. Die kann ich wenigstens zwischendrin verändern und dann wirds nicht so langweilig. Ich bin gespannt, wie lange das Band sein wird, das letztlich rauskommt. Denn nicht vergessen: Die Kette verkürzt sich durchs Weben und durch die Brettchen und Knoten bleibt immer ein kleiner Rest.

großer Webrahmen
XL-Barde mit Megakette

Noch webe ich ein Muster aus „Tablet Weaving“ von Snow, das aber auch in „Applesies und Fox Noses“ von Karisto/Pasanen drin ist. Aber nach inzwischen drei Metern wirds Zeit für Variationen. Die mag ich an den ruhigen Weihnachtstagen durchspielen und somit Platz schaffen für die nächste (Kurz-)kette.